Kunst im Lieblichen Taubertal Künstler, Werke und Kunstgeschichte
Entdecke die Werke der wichtigsten und berühmtesten Künstler der Region. Tilman Riemenschneider, Balthasar Neumann und Matthias Grünewald begeisterten die Welt mit ihren Meisterwerken. Aber auch viele andere Künstler wie Thomas Buscher, Friedrich Herlin und Johann Adam Remele hinterließen ihre ganz eigenen Spuren und verleihen der Region eine einzigartige künstlerische Vielfalt.
Tilman Riemenschneider
Mit dem bei Straßenbauarbeiten im Bereich des Würzburger Doms 1822 aufgefundenen Grabstein des "ersam und kunstreich Tilman Rimenschneider Bildhauer burger zu wurczburg" beginnt die Wiederentdeckung eines jahrhundertelang vergessenen Künstlers.
Tilman Riemenschneider kam um das Jahr 1460 in Heiligenstadt im Eichsfeld zur Welt. Seine Ausbildung erhielt der Künstler vermutlich in Ulm/Oberschwaben, am Oberrhein, in den Niederlanden und im Moselraum.
Am 7. Dezember 1483 fand der "Malerknecht" Tilman Riemenschneider Aufnahme in die St. Lukas-Bruderschaft in Würzburg. Die Eröffnung einer eigenen Werkstatt, in der später zahlreiche Lehrlinge und Gesellen beschäftigt waren, war an das Meisterrecht gebunden. Dieses erwarb Riemenschneider 1485 mit der Heirat der Goldschmiedemeisterwitwe Anna Schmidt. Im Laufe seines Lebens sollte Riemenschneider noch drei weitere - wirtschaftlich vorteilhafte - Ehen eingehen. Von seiner Hand sind Statuen und Reliefs an Altären und Andachtsbildern, Grabmäler für Bischöfe, Adlige, Geistliche und Frauen, Bauplastik und dekorative Arbeiten überliefert. Mit seinem Kunststil beherrschte er die Region Mainfranken über Jahrzehnte, war andererseits über diesen Umkreis hinaus fast nicht tätig.
Der Bauernkrieg, bei dem sich Riemenschneider auf die Seite der Bauern gestellt hatte, bildete eine Zäsur in seinem Leben. Die Beschlagnahmung eines Teils seines Vermögens, die Abwendung potentieller Auftraggeber, auch der schwindende Bedarf an Altären und Andachtsbildern, ließ die künstlerische Arbeit versiegen. Riemenschneider übergab bald nach 1525 seine Werkstatt an seinen Sohn Jörg. Am 7. Juli 1531 verstarb er in Würzburg.
Werke von Tilman Riemenschneider im Taubertal:
- Heiligblutretabel der St. Jakobskirche (Rothenburg o.d.T.)
- Franziskusaltar in der Klosterkirche der Franziskaner (Rothenburg o.d.T.)
- St.-Peter-und-Pauls Kirche (Rothenburg o.d.T - Detwang)
- Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt (Aub)
- Herrgottskirche (Creglingen)
- Marienkirche (Bad Mergentheim)
- Pfarrkirche St. Peter und Paul (Grünsfeld)
- Brunnen am Schloßplatz (Tauberbischofsheim) Riemenschneider-Madonna; 3 D-Bronzeabguß einer der beiden für Bischofsheim geschaffenen Madonnen; Künstler Leo Wirth, Laudenbach; Original heute im Bode-Museum, Berlin
Balthasar Neumann
Den prägendsten Einfluss auf die Architektur Mainfrankens hatte in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts unzweifelhaft Balthasar Neumann.
Als Sohn eines Tuchmachers 1687 in Eger geboren, erlernte er zunächst das Gießerhandwerk, studierte dann jedoch nach ersten Berufsjahren in Würzburg "Feldmesserey und Architektur". Seine militärischverwaltungstechnische Laufbahn, in der er es bis zum Obristen brachte, war für ihn vor allem wirtschaftliche Basis. Sein Dienstherr, der Fürstbischof von Würzburg, verwendete ihn in erster Linie als Baumeister. Seit 1720 fungierte er als Oberbaudirektor, verantwortlich für alle militärischen, zivilen und kirchlichen Bauten im Hochstift Würzburg.
Der Neubau der Würzburger Residenz (1720-1744 im Rohbau entstanden, bis 1780 fertig ausgestattet) begleitete Neumann durch sein ganzes Arbeitsleben und stellt im Profanbau das Hauptwerk des Baumeisters dar.
Sein Ruf als hervorragender Architekt und Raumplaner führte ihn auch an zahlreiche auswärtige Höfe. Dort war er teils in beratender Funktion, teils als Konstrukteur von Neu- und Umbauten gefragt. Auch für viele Klöster und Privatleute war er planend und ausführend tätig. Dieses Arbeitspensum konnte nur mit Hilfe seines Baubüros bewältigt werden, in dem zivile und militärische Mitarbeiter die von Neumann entwickelten Ideen umsetzten. Darüber hinaus betätigte sich Neumann als Unternehmer, pachtete die Glashütte in Fabrikschleichach und betrieb eine Spiegelschleiferei in Würzburg.
Neumann, der "Vollender des Barock", starb am 19. August 1753 in Würzburg.
Werke von Balthasar Neumann im "Lieblichen Taubertal":
- Neumanns-Brücke zu Tauberrettersheim (Tauberrettersheim)
- Pfarrkirche St. Vitus (Tauberbischofsheim - Dittigheim)
- Königheimer Barockkirche (Königheim)
Matthias Grünewald
Der uns heute unter dem Namen Grünewald (eigentlich Mathis Neithart Gothart) bekannte Künstler wurde wohl um 1475/1480 in Würzburg geboren. Nur 25 Bildtafeln und etwa 35 Zeichnungen sind von seiner Hand überliefert, was auf eine eher kleine Werkstatt schließen lässt.
In Aschaffenburg lässt sich Grünewald erstmals 1505 sicher nachweisen. Spätestens seit 1510 im Hofdienst des Mainzer Kurfürsten und Erzbischofs, war er nicht nur als Maler, sondern auch als Wasserbauingenieur und als Baumeister tätig.
Daneben arbeitete er auch für private Auftraggeber aus dem Bürgertum. Bis 1515 war Grünewald dann im elsässischen Isenheim, wo er für das Antoniterspital den monumentalen Isenheimer Altar malte, tätig.
Expressive Ausdruckskraft, ein dramatischer Erzählstil und eine große Eindringlichkeit kennzeichnen Grünewalds malerisches Schaffen und machen ihn einzigartig unter den Künstlern seiner Zeit.
Zurück in Aschaffenburg malte Grünewald um 1523/25 für die Martinskirche in Tauberbischofsheim auf einer Doppeltafel eine äußerst realistische Darstellung der Kreuzigung und der Kreuztragung (heute in Karlsruhe). Ab Herbst 1526 war Grünewald als Seifensieder- Unternehmer in Frankfurt tätig. Letzter Wohnsitz Grünewalds wurde Halle. Am 1. September 1528 meldete man dem Rat der Stadt dort den Tod von "meister Matthes Gothart, ein mahler adder wasserkunstmacher".
Werke von Matthias Grünewald im "Lieblichen Taubertal":
- Stuppacher Madonna (Bad Mergentheim - Stuppach)
- Tauberbischofsheimer Tafeln
Thomas Buscher
Der Öffentlichkeit noch weitgehend unbekannt ist der aus Gamburg stammende Künstler Thomas Buscher. Buscher wurde am 7. März 1860 als jüngstes von sechs Kindern geboren. Auch seine Brüder waren künstlerisch tätig. Karl Anton, der den väterlichen Steinmetzbetrieb übernahm, schuf ebenso wie der früh verstorbene Vater Friedrich Bildstöcke und Kreuzwegstationen. Der nach Chicago ausgewanderte Bruder Sebastian stattete Kirchen mit Altären und Statuen aus. Clemens wurde nach einem Studium an der Kunstakademie in München als Lehrer, später Professor an die Kunstgewerbeschule in Düsseldorf berufen, seit 1902 war er dort als freischaffender Künstler tätig.
Seine erste Ausbildung als Steinbildhauer erhielt Thomas bei seinem Bruder Karl Anton, ab 1877 ist er in München als Holzschnitzer bei Joseph Elsner in die Lehre gegangen. Der Besuch der dortigen Kunstakademie mit Schwerpunkt Bildhauerei, Auslandsstudienreisen und Praktika schlossen sich an. 1886 begründete er in München seine Bildhauerwerkstatt. Seit 1907 bayerischer Staatsbürger, mündete seine akademische Laufbahn 1913 in die Ernennung zum "Königlich-bayerischen Professor der Bildhauerei" an der Kunstakademie München.
Buschers künstlerische Tätigkeit erstreckte sich hauptsächlich auf den sakralen Bereich. Der Neogotik und dem Neobarock verpflichtet, schuf er auf dieser Basis eigenständige, individuelle Kunstwerke, die sich deutlich von den Massenanfertigungen anderer Werkstätten unterschieden. Obwohl er meist allein arbeitete, finden sich an über 100 Orten Werke von seiner Hand, wobei der Schwerpunkt seines Schaffens im bayerischen und badischen Raum lag. Am 13. Mai 1937 starb Thomas Buscher in Ammerland am Starnberger See.
Werke von Thomas Buscher im Lieblichen Taubertal:
- Stadtpfarrkirche St. Martin (Tauberbischofsheim)
4 Pfeilerfiguren: Christ König (1932), Prager Jesulein (1936), König David, Hl. Cäcilia;
- Laurentiuskapelle (Tauberbischofsheim), Ostwand; Halbreliefs des ehemaligen Chorgestühls (Hochzeit von Kana u. Der Reiche Fischfang), beides 1935 und in der Eingangshalle (Tod des Hl. Joseph, 1932); 3 m hoher Ständer für die Osterkerze (St. Valentinus-Altar); Gesprenge des Marienaltars; Büste der Hl. Theresia vom Kinde Jesu, 1929, auf dem Kreuzaltar
- Pfarrkirche St. Jakobus (Miltenberg)
- Kirche St. Martin (Gamburg)
- Wallfahrtskirche Liebfrauenbrunn (Werbach)
Urpharer Meister
Gotische Wandmalereien von der Hand desselben Künstlers lassen sich in der Friedhofskapelle St. Laurentius in Freudenberg, der Pfarrkirche in Boxberg-Oberschüpf und der Jakobuskirche in Wertheim-Urphar besichtigen.
Über deren Urheber ist nichts bekannt, er wird nach seinem Wirkungsort Urpharer Meister genannt. Die Bildmotive seiner Malerei entstammen der Schöpfungsgeschichte, der Jugend und der Passion Christi. Der Heilige Christophorus und St. Michael als Seelenwäger ergänzen die Darstellungen.
Erst 1909 bzw. 1951-1953 wurden die Urpharer Fresken freigelegt, die Ausmalung der Oberschüpfer Kirche wurde 1922 entdeckt und dadurch das Kirchlein vor dem Abriss bewahrt. Die Ausführung der wohl im Zeitraum von 1290 bis 1297 gemalten Fresken lässt eine künstlerische Weiterentwicklung in der Abfolge Oberschüpf-Freudenberg-Urphar erkennen.
Werke von den Urpharer Meistern im "Lieblichen Taubertal":
- Friedhofskapelle St. Laurentius (Freudenberg)
- Pfarrkirche (Boxberg-Oberschüpf)
- Jakobuskirche (Wertheim-Urphar)
Gamburger Meister
Weitere Wandmalereien (vermutlich vor 1219) können in der sich im Privatbesitz befindenden Gamburg besichtigt werden.
Die „Barbarossa-Fresken“ im Hauptsaal gelten als die ältesten weltlichen Wandmalereien nördlich der Alpen (um 1200). Diese einzig erhaltenen Original-Ausmalungen eines Rittersaals sind künstlerisch innovativ und zeigen großflächige Szenen des Kreuzzugs Kaiser Friedrich I. mit einer der frühesten Inschriften deutscher Sprache und vielem mehr. Sie wurden 1986 zusammen mit außergewöhnlich prächtig geschmückten Doppelarkaden der Stauferzeit entdeckt.