Ausgrabungsstätten
Das Land zwischen Rhein und Neckar ist ein einziges Geschichtsbuch.
Eine der bedeutendsten Fossilienfundstätten der Welt ist die Tongrube Unterfeld südlich von Rauenberg. Sensationell sind die beiden mit ca. 30 Millionen Jahren weltweit ältesten Fossilienfunde von Kolibris. Denn damals herrschte hier ein karibisches Klima. Aber Achtung: Die Grabungsstätte steht unter Schutz und darf unbefugt nicht betreten werden. 1907 wurde in Mauer der 600.000 Jahre alte Unterkiefer des „Homo heidelbergensis“ entdeckt – der älteste Nachweis menschlicher Existenz in Europa.
Später ließen Kelten erste Spuren von Ackerbau und Viehzucht zurück, ehe die Römer kamen und aus Siedlungen Garnisonsstädte machten. Ladenburg – damals Lopodunum – war eine von ihnen.
Auch die Burg Wersau, die Burg unter der Grasnarbe in Reilingen, erinnert an jene Zeiten voller Macht und Wandel. Alamannen, Franken und schließlich die Kurpfalz prägten die Region, die durch Kriege verwüstet wurde, aber auch durch Kunst und Wissenschaft erblühte. Wer hier gräbt, stößt auf Geschichten von Weltrang.
Schätze des Bergbaus
In der Region Rhein-Neckar liegen die Spuren des Bergbaus wie versteckte Kapitel der Erdgeschichte.
In Schriesheim führt die „Grube Anna Elisabeth“ tief in Stollen, in denen seit dem 15. Jahrhundert nach Silber und Eisen gesucht wurde, in Weinheim-Hohensachsen die „Grube Marie“. Ganz in der Nähe öffnet sich die Spatschlucht mit ihren bis zu zehn Meter hohen Felswänden – ein eindrucksvolles Naturdenkmal aus der Zeit des Schwerspatabbaus.
In Dossenheim erinnern die rot-gelb leuchtenden Porphyrsteinbrüche mit Infotafeln und dem Atelier des Bildhauers Knut Hüneke an die Verbindung von Stein und Kunst.
Auch der Kalksteinbruch in Nußloch erzählt von harter Arbeit: Über hundert Jahre transportierte hier eine Lorenseilbahn das Gestein zum Zementwerk in Leimen. Heute sind diese Orte stille Zeugen und lohnende Ziele für Entdecker.
Zeitzeugen & Kleinode
Bauwerken, die wie Zeitkapseln die Jahrhunderte überdauert haben. Eines davon ist die Hühnerfautei in Schönau: um 1250 erbaut, zählt sie zu den ältesten und besterhaltenen Profanbauten in Baden-Württemberg. Noch heute sind originale Deckenbalken, Putz- und Malschichten sichtbar. Nach aufwendiger Restaurierung beherbergt das Haus seit 1999 ein kulturhistorisches Museum, das von der Zisterziensergeschichte Schönau erzählt. Im Untergeschoss erinnern Grabplatten und Schlusssteine an das einst mächtige Kloster – stille Zeugen vergangener sakraler Architektur.
Ein anderes Kleinod liegt in Lobbach-Lobenfeld: das ehemalige Kloster Lobenfeld, dessen Kirche bis in die Stauferzeit zurückreicht. Besonders eindrucksvoll sind die Wandmalereien: spätromanische Fresken im Chor und hochgotische Malereien im Querhaus offenbaren Kunst, die Geschichten von Glauben und Gemeinschaft sichtbar macht. Tipp: Die Besuche lassen sich wunderbar mit einer stillen Einkehr verbinden – einem meditativen Spaziergang zu den historischen Gebäuden, wo sich Geschichte in jedem Stein widerspiegelt.
Besonders beachtlich ist auch das Mausoleum neben dem jüdischen Friedhof in Waibstadt. Gebaut nach den Vorbildern des Felsendoms und ersten Tempels in Jerusalem war es als Grabstätte für den erfolgreichen Kaufmann und Mäzen Hermann Weil angelegt.
All diese Stätten sind keine lauten Monumente, sondern leise Erinnerungsorte. Sie laden dazu ein, den Pulsschlag vergangener Zeiten zu spüren und dabei zu entdecken, wie stark Vergangenheit, Glaube und Kultur die Region bis heute prägen.